Polaroids – Helmut Newton Ausstellung in Berlin

An diesem Wochenende war ich auf der Ausstellung "Polaroids" im Museum für Fotografie in Berlin. Wie ihr ja bereits gemerkt hat bin ich Polaroid-Fan und mich faszinieren alte Polaroid-Aufnahmen aus der Zeit, als Polaroid-Aufnahmen noch zur Kontrolle der Filmaufnahmen vorab eingesetzt wurden. Und genau diese Polaroid-Aufnahmen von Helmut Newton sind jetzt in Berlin zu sehen.

Museum für Fotografie und Helmut Newton Stiftung
Jebensstraße 2, Berlin-Charlottenburg
© Stefan Müller
 

Newton nutzte die Polaroid-Technik seit den 70er Jahren für viele seiner Mode-Shootings. Mit dem Sofortbild konnte er die Belichtung und Szenerie sofort einschätzen und wenn nötig korrigieren. Seine Polaroid-Affinität ist nicht neu und schon länger bekannt. 1992 wurde das ganze auch schon mal dokumentiert und es erschien bereits ein Buch dazu: "Pola Woman". Jetzt hat seine Frau June Newton für die Ausstellung nochmal das Archiv durchgeschaut und neue Polaroid-Arbeiten herausgesucht, die zwischen 1969 und 2003 entstanden sind. Mit dabei sind Supermodelle wie Cindy Crawford oder Claudia Schiffer sowie Auszüge aus Werbekampagnen von Jimmy Choo oder Thierry Mugler.

Helmut Newton
Thierry Mugler
Monte Carlo 1998
Polaroid
© Helmut Newton Estate
 

Es sei nach seiner Frau June aber nur "die Spitze des Eisberges", was die Hoffnung auf weitere Ausstellungen aufleben lässt.

Meine Erwartung an die Ausstellung waren, originale Polaroids zu sehen – diese kleinen unscheinbaren Bilder, die man von nah betrachten muss, um auch das richtige Fotografenfeeling erleben zu können. Nach Betreten der Ausstellung wurde mir aber bewusst, dass es sich nicht um die Origiale handelte, sondern es sich bei den Bildern um starke Vergrößerungen der Polaroids handelte. Diese waren zwar mit den typischen Rändern vergößert und somit autentisch, aber irgendwie fehlte mir das Polaroidgefühl doch. Lediglich auf zwei Tischen wurden unter Glasplatte ein paar originale Polaroidaufnahmen hingelegt.

Helmut Newton
Stern
St. Tropez 1978
Polaroid
© Helmut Newton Estate
 

Genutzt hat er den Bildern nach eine Mittelformat-Kamera mit Polaroid-Back, eine Trennfilmkamera und eine Instantkamera. Was mir gefehlt hat waren die Kameras selber. Diese sind zwar unten in der normalen und dauerhaften Ausstellung im Erdgeschoss dann doch zu finden in Form einer Hasselblad 500, einer ProCam und einen SX-70, aber ich hätte mir diese thematisch zu dieser Ausstellung gewüncht, denn Polaroids sind nicht nur die Bilder selber, sondern auch das Handwerkszeug und auch vielleicht Aufnahmen von Newton selber, wie er mit Polaroid fotografiert.

Helmut Newton
Yves Saint Laurent
Paris 1991
Polaroid
© Helmut Newton Estate
 

Die Bilder sind durchaus interessant, manche kennt man auch in ähnlicher Form natürlich von seinen "normalen" Bildern. Wer den Style mag wird sich auch in den Fotografien hier wiederfinden. Ich finde sie grandios und ich muss gestehen, dass mir diese Ausstellung durchaus gefallen hat, auch wenn nicht alles perfekt war. Die Präsentation auf Plexiglasplatte aufgezogen ohne Rahmen empfand ich beispielsweise als etwas lieblos.

Kritisch setzt sich auch das Kulturradio Berlin mit der Ausstellung auseinander:

Dann kommt noch hinzu, dass die Ausstellungsmacher damit werben, dass das Polaroids mit Randbemerkungen des Fotografen versehen seien. Wie "interessant und aufschlussreich" diese seien. Davon kann ich eine Kostprobe geben: Ein Polaroid zeigt die Schauspielerin: Anita Ekberg, sie war das Sexsymbol der 50er und 60er Jahre. Zu lesen ist: "Anita Ekberg schaut über ihre Gartenmauer. 1988". Also, ich hab schon "interessantere" Kommentare von Künstlern gelesen.

Helmut Newton
Paris Match
Monte Carlo 1985
Polaroid
© Helmut Newton Estate
 

Ganz unrecht hat das Kulturradio Berlin, denn man muss als Museum nicht jede Notiz von Newton derart zwanghaft bejubeln, aber wenn man diese Bemerkungen einfach wegläßt, ist die Ausstellung doch eine der guten Ausstellungen, die ich empfehlen kann. Die 8 Euro Eintritt sind es sicherlich wert.

Zum Schluss gibt es zu dem Museum für Fotografie auch ein paar kritische Worte: Im Gegensatz zur Galerie CAMERA WORK, die ich letztens besucht habe, wird im Helmut Newton Museum sehr viel Wert auf Kontrolle gelegt. Fotografieren ist strikt verboten, was ich im Museum für Fotografie irgendwie nicht verstehen kann. An jeder Ecke stehen Wärter, die kontrollieren, ob auch wirklich keine Kamera gezückt wird. Ob es nötig ist kann ich nicht sagen, aber bei anderen Galerien scheint es auch anders zu funktionieren. Ich jedenfalls fühle mich nicht so richtig wohl, wenn immer ein Bewacher hinter mir steht und schaut was ich mache (und ich mache bestimmt nichts was schaden anrichtet). Auch beim Einlass und bei der Kasse war man nicht besonders freundlich. Hier sollte sich die Stiftung mal ein Beispiel an anderen Häusern nehmen. Denn solche soft-facts beeinflussen schnell das Empfinden, ob mal als Besucher willkommen ist oder eher nicht. Ich finde es schade, denn das hat das Museum nicht verdient. 

Hier noch die allgemeinen Daten:

Ausstellung
"Helmut Newton Polaroid"
Museum für Fotografie
Jebensstraße 2
10623 Berlin
www.helmut-newton.de

Öffnungszeiten
10. Juni bis 20. November
Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 22 Uhr
Eintritt: 8 Euro

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Über den Autor
Elmar

1 Kommentare

martin

2011-06-21 06:36:31 Antworten

ich hoffe nur, die bildunterschriften hingen nicht bloß 60cm über dem boden.. wie bei so vielen anderen ausstellungen ^_^
cartier-bresson ging mal auf allen vieren zu einer vernissage, um seinen unmut darüber zu bekunden.

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