Lighting-Tutorial 1: Fashion-Fotos mit hartem Licht

Nach einer ganzen Menge Tipps & Tricks, Infos zu TV-Sendungen, Hardwaretests und sonstigen Themen rund um die Fotografie auf diesem Blog gibt es diesmal etwas neues: Ich möchte Euch zu einem meiner letzten Bilder ein kurzes "Making Of" geben – zwar nicht so schön wie beim Martin Krolop mit Video, aber ich denke, dass es doch auch so gut nachzuvollziehen ist.

Ich hatte mich mit Steven, einem befreundeten Fotografen verabredet, um zusammen mit dem Model Lia  und unserer Visagistin Eliana Fotos in unserem Fotostudio zu machen.

Es wurde ein langer, lustiger Tag. Die folgende Aufnahme entstand ganz am Schluss, wo alle Beteiligten schon deutlich müde waren und sich dann doch noch für die letzten Aufnahmen "aufgerafft" haben.

Ich finde, es hat sich gelohnt, nicht vorzeitig aufzuhören, sondern weiterzumachen, und bestätigt meine Erfahrung, dass die Aufnahmen am Schluss immer die Besten sind, weil man dann "im Fluss" ist, während man sich am Anfang erst warm arbeiten und locker werden muss (gilt für alle Beteiligten). Darum fange ich auch mit den besten Ideen nicht gleich am Anfang an.

Ziel bei diesem Bild war es, eine Fashionaufnahme mit starken Schatten im Hintergrund zu erstellen. Lia und das Kleid waren fantastisch dafür geeignet – so wurde Lia vor eine weiße Wand im Studio positioniert.

Hartes Licht erzeugt harte Schatten und hohe Kontraste – also genau das was wir haben wollten. Hartes Licht ist zwar nicht unbedingt ideal für Beautyaufnahmen, da jede Falte und jede Hautunreinheit verstärkt wird, aber für Fashion-Aufnahmen ist es umso mehr geeignet, da es modeliert und so zum Beispiel die Kleidung besonders betont.

Die Härte des Lichts hängt von der Größe der Lichtquelle und ihrer Entfernung ab. Hartes Licht bedeutet also eine möglichst punktförmige Lichtquelle und einen recht großen Abstand. Im Studio können solche Lichtsituationen mit Blitzgeräten nachgestellt werden, indem mit kleinen Reflektoren ohne sonstige Lichtformer wie Softboxen oder Schirmen gearbeitet wird.

Der Blitzkopf wurde also weit weg gestellt und mit einem kleinen 7" Reflektor versehen. Das erste Bild entsprach aber bei weitem nicht meinen Vorstellungen, da der Schatten nicht die harte Kontur hatte, wie ich es haben wollte. Er war einfach zu verschwommen. Leider habe ich kein Bild mehr davon, die Ursache war aber schnell ausgemacht. Das Schattenbild wurde vom Hensel-Reflektor verursacht, da die silberne Oberfläche des Reflektors aufgerauht und nicht glatt ist. Das hat zur Folge hat, dass aus der einen Lichtquelle des Blitzkopfes viele kleine neue Lichtquellen werden, da das Licht an der Oberfläche gebrochen wird. Und diese vielen Lichtquellen sind "Schuld" für die verschwommene Schattenkante. Hier mal ein Bild der Oberfläche eines Elinchrom-Reflektors zur Veranschaulichung, die des Hensel-Reflektors sieht aber ähnlich aus:


 

Ein Hensel Starspot, der für genau diesen Einsatzzweck gemacht ist, hatten wir nicht zur Verfügung. Um aber das Bild trotzdem auf den Sensor zu brennen, mussten wir improvisieren. Wir haben den Reflektor entfernt und den Blitzkopf "ohne alles" als Lichtquelle verwendet. Um Streulicht zu vermeiden, da der Blitzkopf ja jetzt Freitag und nach allen Richtungen strahlte, wurden noch Abschatter so aufgestellt, so dass das Licht ausschließlich auf das Model fiel.

So sah der Studioaufbau dann aus:


 

Das war schon alles. Die Bilder waren schnell auf der Speicherkarte. Minimale Beautyretusche und Umwandlung in s/w und fertig.

Hier noch die Kameraeinstellungen:

Verschlusszeit 1/160s
Blende 14
Brennweite 70mm
ISO 200
Kamera Nikon D700

Ich hoffe, dieser Exkurs hat Euch gefallen. Ich bin auf Euer Feedback gespannt.

 

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Elmar

2 Kommentare

Calvin

2011-05-21 20:22:53 Antworten

ASTREIN…. viel besser als bei Martin… der hätte noch 5 Scribbles dazu und das doppelte an Text :-)
Danke dir
lg Calvin

Andreas Springer

2011-05-21 21:57:01 Antworten

Sehr anschauliches Tutorial, vielen Dank. :)

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