Analoge Spiegelreflexkamera gesucht und gefunden

Neben meiner Hasselblad mit 120er Rollenfilm war ich schon länger auf der Suche nach einer alten Kleinbild-Kamera, die man auch mal eben so mitnehmen könnte. Am liebsten hätte ich natürlich eine Leica M6, aber das ist preislich nicht sinnvoll (vielleicht später mal, aber derzeit noch nicht). Also suche ich was bezahlbares aus dem ehemaligen Profi-/Semiprofi-Segment wie Canon A1, Canon F1, Nikon F2n, Nikon F3(HP). Die Nikon F3 wäre mein Traum, alle anderen vorgenannten Modelle und Marken aber ebenfalls mehr als gut.

Einen AutoFocus brauche ich nicht zwingend, die Kamera soll auch nicht wie eine neue moderne SLR aussehen wie die letzten analogen Spiegelreflexkameras, sondern ruhig richtig "old school", eckig und aus Metall. Der Body soll im sehr guten Zustand (ja, ich bin sehr pingelig) zwischen 150 und allerallerhöchstens 300 Euro kosten.

So machte ich mich auf die Suche, bei ebay, bei diversen Fotobörsen im Internet, bei verschiedenen Gebrauchthändlern, auch im Internet. Preislich und auch zustandsmäßig war eher Ernüchterung angesagt. Entweder waren die Kameras total runtergerockt oder preislich völlig unattraktiv. Kein Wunder, da der Markt an neuwertigen Kameras fast leergefegt ist. Besonders die F3 war mit 500 Euro bis 800 Euro für neuartige Modelle im Bereich der Fantasiepreise. Für diese Preise bleiben die zwar liegen wie sauer Bier, aber die Verkäufer träumen halt vom kommenden Analoghype. Sollen sie halt, die Suche lief weiter.

Und dann habe ich doch eine richtig schöne Canon A1 gefunden bei ebay – in nahezu neuwertigem Zustand und mit dem Canon FD 50mm 1:1.4 S.S.C. Objektiv, in genau so einem fantastischem Zustand. Preislich absolut in Ordnung, der Body sogar deutlich unter meinem angenommen unteren Preisrahmen, was mich sehr erfreute. 3 .. 2 .. 1 .. meins – gekauft. Die Kamera kam an, sie ist wirklich toll und genau das was ich gesucht habe. Das Kapitel Nikon F3 war damit zur Seite gelegt.

Die kleine Geschichte könnte hier enden, wenn ja wenn …

Letzte Tage gehe ich zu meinem Fotohändler, weil ich einen Film kaufen wollte für meine Canon A1 zum Testen. Der Laden hat auch eine große Gebrauchtecke mit dutzenden von Kameras. Ein Kollege aus der Firma erzählte mir, dass man da auch gut analoge Kameras kaufen könnte (was ich mir kaum vorstellen konnte, weil die sonst eher nicht sonderlich günstig sind) und ich machte mir den Spass dort mal vorbeizugehen und zu schauen. Eine F3 war nicht zu sehen aber ich wurde angesprochen, ob mir zu helfen sei. Naja, Preise sondieren macht Spass und so frage ich den Verkäufer nach einer F3 – ob er überhaupt eine da hätte und wie die so preislich liegen. Ich erwartete stark gebrauchte Exemplare und eher gehobene Preise.

Der Verkäufer greift hinter sich, zieht eine F3 mit MD-4 Motordrive aus dem Regal. Ich schaue, staune, bin platt. Neu, ohne jegliche Gebrauchsspur, was ein schönes Paar mit dem Motordrive. Sie hat nach Aussage des Verkäufers einem alten Herren gehört, der wird das Dingen wohl kaum oder gar nicht benutzt haben wird. Ich frage nach dem Preis, will schon wieder gehen, höre einmal, höre zweimal, staune noch mehr. Ein endlich mal realistischer Preis – wahrlich nicht billig, aber fair. Gerade dort hatte ich mit einem anderen Preis gerechnet. Und dann ist die F3 noch mit einem Jahr Garantie. Ein nagelneuer Gurt und eine Anleitung runden das Paket auch noch ab. Ich schlage zu, packe die F3 ein und zahle. So eine Gelegenheit und so eine Kamera kommt so schnell nicht wieder.

Zu Hause Batterien eingelegt, Film eingelegt (Kodak Tmax 400) und die F3 läuft wie am ersten Tag. Lt. Seriennummer muss sie aus Ende 1981 sein, also fast 30 Jahre alt. Ich bin gespannt welche Kamera aus 2011 noch in 2041 funktioniert.

Tja, was soll ich sagen, hier sind sie:

Was lernt man daraus: Auch in Zeiten von Internet und ebay kann gerade bei der Suche von Gelegenheiten ein Besuch beim Fachhändler und Fotoladen um die Ecke sinnvoll sein. Ich bin ja sowohl bei ebay als auch beim Fotohändler fündig geworden und habe mit beiden Kameras richtig tolle Stücke abgestaubt. Ergo sollte man alle Quellen nutzen.

Jetzt stellt sich die Frage: Brauche ich zwei Kameras. Die Antwort ist natürlich nein. Mit der Nikon F3 hat die Canon A1 schnell einen echten Konkurrenten bekommen, denn die F3 war immer meinn Traum. Also A1 verkaufen? Ich weiss es nicht,  aber im Augenblick spricht vieles dagegen. Denn bei dem gezahlten Preis und dem guten Zustand wäre es viel zu schade. Also wird sie erst mal bleiben …

Mit welcher analogen (Kleinbild-)Kamera fotografiert ihr? Was ist Eure Traumkamera? Ich bin sehr gespannt.

Teilen:
Über den Autor
Elmar

7 Kommentare

Krappel Robert

2011-04-17 18:33:20 Antworten

Meine Minolta XE-1 funktioniert leider nicht mehr, aber die Rollei 35 macht einwandfreie Bilder. Ansonsten gibt´s noch eine Rolleiflex 6006 im Mittelformat. Schöne Grüße, Robert

Ralph

2011-04-18 09:04:36 Antworten

Hallo Elmar,

danke für deinen Berich, ebenso Glückwunsch zu deiner neuwertigen F3.
Beide haben einen Charme den DSLR´s niemals entwickeln werden!
Daumen Hoch.
Grüße
Ralph

martin

2011-04-19 14:26:11 Antworten

nich schlecht! nicht umsonst ist die f3 bis 2001(!) gebaut worden, über 20 jahre. da gabs die nachfolger schon lange :D
an sich hab ich am liebsten mit der schönen fm2n geknipst, nur leider hat sie einen sturzschaden und muss mal geflickt werden. herrlich puristisch!
http://www.flickr.com/photos/martin_jaeger/4303875280/

    Elmar

    2011-04-19 18:57:33 Antworten

    Danke Dir nochmal für den Tipp mit den Gebrauchten beim Sauter.

    Ja, die FM2 ist auch toll und ich hab gelesen, dass die auch viel von Profis genutzt wurde, weil man damals für eine F3 zwei FM2 mit Motor bekommen hat. Schönes Bild auch.

    Für die Reparatur geh doch mal zu dem laden in der Landwehrstraße. Der Typ ist wohl schon 71 und solche Geschäfte muss man besuchen solange es sie noch gibt. So was gehört zur aussterbenden Art. Später gibt es das zwar auch repariert, aber dann ist bei den Läden nur noch Gewinnmaximierung angesagt und die machen das nicht mehr wegen dem Herzblut.

Carsten

2011-04-25 12:21:57 Antworten

Hi!
Schöner Bericht. Das hätte mir ganz genau so passieren können.
Mit welcher analogen Kamera ich fotografiere? Hmmm… mal überlegen…
Geordnet nach Häufigkeit:
1. Leica C2
2. Yashica Electro 35GS
3. Asahi Spotmatic SPII
4. Mionx 35GL
5. Nikon F
6. Ricoh FF-1
7. FED-3b
8. Kodak Retina 1a
9. Beltica
10. Canon EOS 50e
Aber doch meist mit EOS 5D, 40D, 300D, Sigma SD9, Leica Digilux 2 und Sony NEX-3. ;)

Burkhard Brießmann

2012-03-29 20:53:52 Antworten

Besten Dank für den Artikel über Foto Wiener. War ein Super-Tip – mein kleines Olympus Pen FT- 38mm-Objektiv ist gerade zur Reparatur dort.
Ich fotographiere digital mit Olympus – E 620 und Zuiko-Objektive ergeben sagenhafte fast unbegrenzt vergrößerungsfähige Resultate. Mit der spiegellosen E-PL1 hatte ich an sich nur vor, meine schönen alten Canon FD-Objektive wieder einzusetzen. Dabei bemerke ich plötzlich daß der analoge Fotomarkt noch am Leben ist und die Abzüge (wenn auch vom Scan und damit in der Differenzierung und Dynamik nicht optimal) für unschlagbare Preise entwickelt werden.

Meine Sammelleidenschaft begann sofort danach  mit einer Canon A-1, dann kam das volle Programm dazu. Innerhalb von 6 Monaten Nikon FM2 (phantastisch), FE2, F3, Minolta SRT-101, Pentax ME super (tolles Konzept, spricht jeden echten Fotographen an), natürlich Olympus: OM 1, OM 2, OM 2 Spot Program, OM 3 (das Absolute), OM 4Ti und 10 sowie die famose Pen FT (Halbformat), dann der Sprung ins Mittelformat: Hasselblad 500 C und Zenza Bronica SQ-B. Es ist eine völlig neue, wiederentdeckte Welt und ein Riesenvergnügen, diese jeweils mit individuellen Eigenarten versehenen Instrumente einzusetzen. Und wenn es schnell gehen muß, sind die Olympus-Digitalkameras schußbereit und liefern bis auf Quadratmeter vergrößerungsfähige Qualität. Der Clou: Die alten Objektive können ALLE (bis zum Tamron 500 mm Spiegeltele) an der Olympus E-PL1 verwendet werden. Die analoge Welt eröffnet ein Schlaraffenland für Fotographen!

Schreibe einen Kommentar!